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Das Spiel

Allen, die schon Siedler III gespielt haben, brauche ich wohl nicht mehr zu erklären was sich bei den Siedlern abspielt. Für alle die dieses Stück deutscher Spielegeschichte verpasst haben hier nochmal eine kleine Zusammenfassung: Am Anfang jeder Mission besteht alles was man hat aus ein paar Siedlern, einem Turm und eventuell einem Holzfäller und einem Steinmetz. Sofort vergibt man einige weitere Bauaufträge und bringt mit Sägewerk & Co. erstmal die Versorgung an Baumaterialien in Schwung. Sobald diese gesichert ist, kümmert
 man sich dann um Nahrung für die Minen, welche man wiederum braucht um eine gesunde Armee aufzustellen. Sein Reich kann man durch Türme und Pioniere ausdehnen. Bis dahin gibt es zu Siedler III eigentlich keine merklichen Unterschiede im Aufbau.

Wie oben beschrieben gibt es beim Bau der Gebäude, als auch bei den Gebäuden selbst, keine richtigen Neuerungen. Was einem aber sofort ins Auge sticht ist die sehr schöne und zoombare Grafik-Engine, die wirklich nur auf den ersten Blick der von Siedler III ähnelt. Sieht man einmal genau hin merkt man, dass sich die Welt der Siedler ins Detail hin sehr verändert hat. Die Bäume und Pflanzen sehen noch schöner aus, und auch die Animationen der Siedler und der Tiere die neuerdings über den Bildschirm hoppeln und kriechen (und vom Jäger gejagt werden können) sind viel weicher. Leider pixelt die Grafik beim Heranzoomen stark auf, wenn man nicht den Texturenfilter eingeschaltet hat. Dies drückt dann wiederum stark auf die Performance, so dass es auf schwächeren PCs schon bei einer mittleren Siedlung anfangen kann zu ruckeln.

Aber nun weiter zu den spielerischen Neuerungen: Die 3 Völker (Mayas, Wikinger und die guten alten Römer) spielen sich wie immer leicht unterschiedlich, was aber nur an der unterschiedlichen Menge der zum Bauen benötigten Rohstoffe und der Art der Managewinnung liegt. So sind zum Beispiel die Mayas genaugenommen nichts anderes als die Ägypter aus Siedler III mit anderem Grafikset. Eine weitere entscheidende Neuerung ist, dass die Soldaten nun direkt beim Ausbilden mit Gold verbessert werden können. Das erleichtert die Aufstellung einer starken Armee und ist zudem wesentlich Einsteigerfreundlicher. Ausserdem hat nun jedes Volk neben Bogenschützen und Schwertkämpfern noch eine Spezialeinheit, die nur dieses Volk ausbilden kann. So ziehen die Römer mit Heilern ins Feld, die Lazarette überflüssig machen, Wikinger-Axtkämpfer zerstören feindliche Türme sofort und Maya Truppen lähmen mit Blasrohren ihre Gegner. Zusätzlich besteht nun die Möglichkeit, mit einem Hauptmann die Armee zu motivieren und sie besser zusammenzuhalten. Als letzte komfortable Neuerung mag noch der Eselskarren erwähnt sein, mit dem man per Knopfdruck eine neue Siedlung gründen kann. Vergessen sind also die Tage in denen mühsam Träger in Pioniere um- und wieder zurückgewandelt werden mussten.

Die Siedler IV wartet neben einem 12teiligen Tutorial für Einsteiger mit 3 kleinen 3-Missionen-Kampagnen für jedes Volk auf, in denen es jeweils die anderen Völker zu bekämpfen gibt. Das Hauptaugenmerk jedes Siedlers sollte jedoch auf die Kampagne mit dem Dunklen Volk fallen. Hier wird in 12 Missionen gegen eine neue dunkle Macht angekämpft, die das Land der Siedler in Schutt und Asche legt. Angeführt wird dieses Volk von Morbus, der im Intro auf die Erde verbannt wird. Da er jedoch Grünzeug hasst, lässt er mit Hilfe von dunklen Gärtnern alles mit Schattenkraut überwuchern, welches die armen Siedler daran hindert auf diesem verseuchten Boden zu bauen. Bekämpft werden kann die Plage nur mit Gärtnern, die den Boden wieder kultivieren können. Da aber auch das Dunkle Volk eine Armee aufgestellt hat, mögen diese gut beschützt werden wenn sie nicht in den Siedlerhimmel kommen sollen. Durch das Dunkle Volk und die Gärtner ist diese grosse Kampagne wesentlich spannender und vor allem taktischer als die anderen 3. Nach und nach verbünden sich hier sogar alle 3 Völker um der dunklen Bedrohung endlich Einhalt gebieten zu können. Weitergeführt wird die Story durch vorgelesene Textbriefings und eingestreute Zwischensequenzen.

Mit Ausnahme des Dunklen Volkes lassen sich alle Völker auch im Multiplayermodus gegen andere Spieler in die Schlacht um Rohstoffe führen. Dabei stehen verschiedene Spielmodi zur Auswahl. So gibt es neben dem einfachen Vernichten der feindlichen Basis noch den Kampf der Rohstoffe in dem man möglichst ein Monopol an 5 zufällig ausgewählten Waren aufbauen muss. Spielbar ist das ganze über ein lokales Netzwerk (LAN) oder kostenlos über den Blue Byte Game Channel.

 

 

 

Selbst Einsteiger werden durch das Tutorial schnell in die Warenkreisläufe und den Spielablauf eingeführt, auch wenn es wohl trotzdem noch eine Kunst bleiben wird beim ersten Siedlerspiel gleich alles zu durchblicken. Früher oder später kommt dann aber natürlich jeder in den Genuss einer gut funktionierenden Siedlung, und wird dabei feststellen dass Siedler wirklich nie langweilig wird. Immer gibt es irgendwas zu tun, mal fehlt Holz, mal will eine Goldader umkämpft werden. Auf jeder Karte muss man neu zusehen wo man was hinbaut und dabei versuchen die Wege für die Träger möglichst kurz zu halten. Dabei artet Siedler jedoch wirklich nie in Hektik aus, und auch wenn einen der Gegner mal überrennen sollte weil durch ein fehlendes Haus zu wenig Soldaten zur Verfügung standen, ist man sofort motiviert es diesen miesen kleinen (aber dennoch süßen) feindlichen Siedlern heimzuzahlen. Und sollte mal wirklich nichts zu tun sein, schaut man per Zoom eben mal dem Bauer beim Brotbacken zu, oder amüsiert sich über die niedlichen "Nichtstu"-Animationen der Träger.

 

 

Obwohl es in den Kampagnen durchaus verschiedene Missionsziele gibt, endet letztendlich trotzdem alles in der Vernichtung der Gegner. So ödet es einen zu Beginn einer neuen Mission schon ab und zu an schonwieder das gleiche machen zu müssen, aber dank der unterschiedlichen und sehr taktischen Karten ist es jedesmal eine neue Herausforderung den Gegner unter den neuen Bedingungen zu besiegen. So kommen in einer Mission immer Nachschubtruppen der Mayas hinter meiner Wikingersiedlung an, die zwar nicht schwer zu besiegen sind, aber keine störungsfreie Konzentration auf die Hauptfront am anderen Ende des Dorfes zulassen.

Womit wir bei einem kleinen Minuspunkt der Siedler wären, dem Militär. Zwar kann man die Soldaten bereits seit Siedler III direkt steuern, aber die Steuerung ist dennoch sehr ungenau. So verflüchtigt sich meine Armee im nu über das ganze Land des Gegners und wird dort erbarmungslos ins Jenseits geschickt, da der Computer seine Siedler relativ gut zusammenhält. Abhilfe schaffen kann hier der Hauptmann, der aber trotzdem ein Auseinanderziehen der Armee nicht verhindern kann. Besonders ärgerlich ist der Marsch durch ein Steinfeld, hinter dem eine gut formierte feindliche Streitmacht lauert, da die eigene Armee bei diesem Marsch auf jeden Fall gespalten wird. Alles in allem sind die Kämpfe, bei denen nur Militärgebäude, Soldaten und Spezialisten angegriffen werden können, aber fair und bringen ein bisschen Auflockerung in den harten Siedleralltag. Auch bringen sie eine gehörige Portion Spannung ins Spiel ("Schafft es meine angeschlagene Armee noch den grossen Turm einzunehmen oder hat der Gegner noch Verstärkung da?" oder "Hoffentlich greifen mich die Römer nicht an, während ich die Mayas attackiere..."). Zuguterletzt sind noch die Priester zu erwähnen, die zwar für eine Siedlung oder im Krieg nicht unbedingt erforderlich sind, aber einen netten Bonus im Kampf oder in der Wirtschaft bringen. So können sie Fische ins Wasser zaubern, Eiskappen auf Bergen schmelzen, oder ihre Soldaten wiederstandsfähiger machen. Zum Zaubern wird Mana benötigt, das jedes Volk durch die Opferung ihres Nationalgetränks herstellen kann.

 

 

 

 


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